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By Thomas Lemke

Der Band präsentiert die Ergebnisse der ersten umfassenden und systematischen Untersuchung genetischer Diskriminierung in Deutschland. Das empirische fabric besteht aus einer Fragebogenerhebung und aus Interviews mit Betroffenen verschiedener genetisch bedingter Erkrankungen. Es zeigt, wie das genetische Wissen mit Kränkungen, Schuldzuweisungen und Stigmatisierungen einhergeht und Vorstellungen einer „genetischen Verantwortung“ mobilisiert. Die Untersuchungsergebnisse legen die Revision des klassischen Begriffs von genetischer Diskriminierung nahe und fordern zu einer Neuausrichtung der sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema auf.

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Verläufe vorherzusagen. Diese unterschiedlichen Funktionen – als Anzeichen einer Erkrankung oder als Vorzeichen zukünftiger Krankheitsfolgen – zeigte sich auch in den Erlebnissen der von uns Befragten, wenn diese von Symptomen als einer Varianz ohne weitere gesundheitliche Bedeutung, als erstem Hinweis auf eine im Entstehen begriffene Erkrankung, als manifestes Merkmal beträchtlicher körperlicher Beeinträchtigungen, als Vorhersage für zukünftige krankheitsbedingte Einschränkungen berichten. Für so unterschiedliche gesundheitsbezogene Deutungen müssen Symptome deshalb weitgehend interpretationsoffen sein.

2013. Einzelne Untersuchungen belegten bereits Benachteiligungen von Personen mit (einem Risiko für) FAP (vgl. Taylor et al. 2007; Schmedders 2004). T. Lemke, K. 1007/978-3-658-09651-9_2, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015 36 Tino Plümecke mnierungsformen, wie etwa Sexismus, Rassismus oder Ableism, kaum mehr theoretische und normative Auseinandersetzungen um die Bestimmung und Beschreibung genetischer Diskriminierung stattfinden. Während die Benennung von Benachteiligungssituationen in anderen Bereichen Gegenstand andauernder Deutungskämpfe ist und sehr unterschiedliche theoretische und empirische Ansätze existieren (Hormel/Scherr 2004; McCall 2005; Baer 2008; Gomolla 2010; Liebscher et al.

Auf die Schilderungen aufbauend werden die Verengungen im vorherrschenden theoretischen Verständnis genetischer Diskriminierung herausgearbeitet und die kategoriale Auftrennung von Diskriminierungserfahrungen problematisiert. Statt zwischen Andersbehandlungen im Zusammenhang mit einerseits genetischen Merkmalen und andererseits mit Krankheit/Behinderung klar zu trennen, plädiert der Beitrag hier vielmehr für eine Auflösung dieser Unterscheidung. Hierfür sind epistemische und ontologische Unzulänglichkeiten des Kriteriums „Symptome“, die Verbindung von Krankheit, genetischen Informationen und Diskriminierungspo- 38 Tino Plümecke tenzialen und anschließend Perspektiven einer erweiterten Konzeption genetischer Diskriminierung zu diskutieren.

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